Ich habe seit ein paar Tagen ein – noch ungeklärtes – Problem und kann das Mädchenmannschaft-Blog nicht mehr aufrufen (Ich lese es im Feed und Dingsi war so nett mir die Kommentare zu kopieren). Deswegen kann ich leider nicht direkt auf einen Kommentar hier antworten und missbrauche deswegen das Blog dafür (insert Evil laughter here). Trotzdem vielleicht nicht uninteressant für den zufällig vorbeigehüpften Leser, also ich will niemanden vom Lesen abhalten.
Alpenglühen,
Ich bin, wie du, eine Cisfrau.
Und in erster Linie, wenn ich über mich nachdenke, und wie ich mich empfinde, dann denke ich “Ja, ich bin halt einfach ich.”
Und trotzdem fühle ich mich als Frau. Das macht sich nicht dadurch bemerkbar dass ich mir denken muss “Ja, ich fühle mich als Frau”, sondern dadurch dass mir NIE der Gedanke kommt dass ich nicht einfach “Ich” sein kann. Weils keine Diskrepanz gibt die ich spüren könnte. Mein Gehirn oder Geist oder Selbst ist weiblich, mein Körper ist weiblich, also kann ich einfach “sein”. Das ist ein Luxus den wir beide gemeinsam haben, und den man leicht übersieht.
Und natürlich hat meine Gewissheit innerlich eine Frau zu sein nichts damit zu tun wie *du* oder sonst eine Frau ihre Weiblichkeit empfindet. Ich war noch nie eine andere Frau, ich war immer nur ich. Transfrauen (im allgemeinen) behaupten auch nicht dass sie wissen wie DU dich fühlst – wieso sprichst du ihnen ab zu wissen wie sie sich selber fühlen?
Und wenn ich mir jetzt überlege – und bitte, überleg dir das auch mal, und stelle es dir intensiv vor – was wäre wenn ich morgen einen männlichen Körper hätte? Haarigere Beine und keinen Busen, etc. Was wäre wenn mich morgen alle amtlichen Schreiben als “Herr” ansprechen würden, wenn alle Menschen die mich sehen oder hören mich automatisch als Mann wahrnehmen würden? Könnte ich dann immernoch “einfach ich sein”? Oder würd ich dann denken “Halt! Ich bin eigentlich doch gar kein Mann!”?
Ich glaube fest daran dass letzteres der Fall wäre, auch wenn ich diesen Körper von Geburt an hätte. Ich bin ich, mein Ich ist weiblich, und daß mein Körper dazu passt ist ein Glücksfall.
Ich will – und ich würde das auch wollen wenn ich nicht das Genitalien-Set hätte das ich eben habe – dass meine Mutter auf mich als ihre Tochter stolz ist, dass mein Freund mich als Frau sieht, ich will ohne komisch angeguckt zu werden meine Lieblingsklamotten tragen können, lauter für mich selbstverständliche Kleinigkeiten.
Wenn du mich sehen würdest, mit meinen langen Haaren und meinen Röcken, würdest du mir dann vorwerfen ich reduziere Frausein auf ein Outfit? Ich denke ja eher nicht?
Wieso wirfst du das dann Transfrauen vor?
Du kennst auch Dingsi nicht, und kommst hier mit Bildern von harten Kerlen und anderen Vorurteilen. Du hast überhaupt keine Ahnung inwieweit er diese Klischees von Männlichkeit überhaupt bedient. Du projezierst da deine Ideen und Vorstellungen von jemandem der sich als Mann *verkleidet* auf ihn (und dasselbe tust du mit Transfrauen), und dass du von ihm oder irgendwelchen anderen Transmännern verlangst dazu Stellung beziehen, finde ich, gelinde gesagt, unhöflich.

4 comments
Comments feed for this article
16. November 2008 um 23:07
Sera
M. E. gut erklärt!
Gerade bei diesem Thema müsste in viel größerem Rahmen Aufklärungsarbeit geleistet werden. Als Einzelner kämpft man da aber leider oft gegen Windmühlen.
Ob Transsexuelle nicht dasselbe sind wie Transvestiten oder Lesben, darüber schien man sich auch bei TV Movie nicht einig gewesen zu sein:
http://tvmovie.de/Boys-Don-t-Cry.84.0.html?&detail=11175918
Allerdings empfinde ich hier das generelle, heraustriefende Desinteresse an einem Menschen, der auf niederträchtigste und verstörendste Weise vergewaltigt und umgebracht worden ist, fast als schlimmer als die inhaltlichen Fehler an sich.
16. November 2008 um 23:33
Dingsi
… okay, in nur zwei Sätzen hätten wir da: 1. Mißachtung der Geschlechtsidentität von Brandon Teena durch Namensumkehr, 2. nochmalige Mißachtung dadurch daß Brandon ja nur so tut als sei er männlich, 3. das nicht totzukriegende Vorurteil daß Transmänner eigentlich Lesben seien “die sich nicht trauen”. Stolze Leistung.
Zugegeben, TVmovie ist nicht gerade intelligent, aber das macht die Sache ja auch nicht besser. Das ist so wie homophobe, sexistische und rassistische Kommentare auf YouTube damit zu entschuldigen daß es halt YouTube ist.
Und wo ich gerade dabei bin, mich aufzuregen: nicht mal Leute, die es eigentlich besser wissen müßten, wie Judith Halberstam und Judith Butler, kriegen es auf die Reihe, “Boys Don’t Cry” in einer trans*-Erfahrungen angemessenen Weise zu rezensieren.
Sorry wenn ich dich hier mit Links & Gemotze beschmeiße, liegt am Thema… Über deinen Kommentar hab ich mich aber gefreut. Wird Rattenmaus sicherlich auch tun wenn sie das sieht.
16. November 2008 um 23:36
rattenmaus
Jepp, Rattenmaus freut sich.
Und ein Kopfschütteln hab ich auch noch übrig, für TvMovie und co…
25. November 2008 um 0:48
Kim
Vielleicht mal dazu: http://www.mut23.de/index2.php?option=com_content&task=view&id=220&Itemid=16&lang=de